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Suche Frieden und jage ihm nach!

Suche Frieden und jage ihm nach! Die Jahreslosung für das kommende Jahr kommt so milde daher. Und alle Postkarten, die ich dazu gesehen habe, nehmen den Ruf zum Frieden auch in friedlichen Bildern auf. Sei es die Friedenstaube als Symbol vor Regenbogenfarben, oder einfach ein schönes Naturbild.

Aber gäbe es da nicht auch ganz andere Motive, die nach Frieden schreien würden: z. B. zerborstene Panzerhüllen vor den völlig zerstörten Wohnvierteln von Aleppo? Oder halb verhungerte Kinder im Jemen, irgendwo in Afrika? Davor dann der Aufruf: Suche Frieden! Und jage ihm nach!

Ein Widerspruch: Frieden suchen mit Bildern von Hass und Zerstörung

Aber das habe ich mich nicht getraut, als ich dieses Bild gestaltet habe, die wir in unserer Gemeinde als Postkarte verteilt haben. Ich habe, ganz milde und lieblich, eines unserer neuen Kirchenfenster gewählt – mit den Lichtern des Weihnachtsbaumes schemenhaft dahinter. Friedlichkeit, Besinnlichkeit – die große Sehnsucht von Weihnachten. Auch jetzt, wenn das große Fest schon wieder längst vergessen, ist sie noch aktuell.

Ich bin überzeugt, dass den Frieden nur suchen kann, wer ihn im Herzen hat. So wie Liebe nur üben kann, wer Liebe im Herzen hat. Deshalb brauchen wir die friedlichen Friedensbilder – und nicht nur die nach Frieden schreienden Bilder von Krieg, Hass und Zerstörung! Es ist gut, die Besinnlichkeit und Ruhe zu suchen, wenn man Frieden stiften will.


Unsere Gemeinde soll ein Ort des Friedens sein

Und ganz so weichgespült ist der Anspruch ja auch nicht: Unsere Kirchengemeinde soll ein Ort des Friedens sein. Ein Ausgangspunkt des Friedens. Ein Ort, von dem friedliebende, ja den Frieden bringende Menschen ein- und ausgehen. Wenn wir das ernst nehmen, ist das kein zu geringer Anspruch!

Suche Frieden und jage ihm nach! Wo steht das eigentlich? Es ist die Antwort der Frage aus Psalm 34, Vers 13: "Wer ist’s, der Leben begehrt und gerne gute Tage hätte?" Oder anders gefragt: Wie führen wir ein gutes Leben? Was soll ich tun – was kann für mich eine gute Maxime sein, damit ich ein gutes Leben führe? Der Psalm antwortet so: "Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!"

Kein böses Wort auf den Lippen. Nicht lügen. Vom Bösen ablassen – Gutes tun! Frieden suchen, immer. Ihm nachjagen. Nicht ganz einfach, ehrlich gesagt! Frieden suchen und bewahren – das fängt offensichtlich bei uns selbst an, sagt der Psalm.

Friedensstifter reden statt kämpfen

„Populismus macht aus jedem Konflikt einen Kampf“ – so titelte vor einiger Zeit das Evangelische Frankfurt. Die Erkenntnis müsste für uns Christen umgekehrt heißen: Friedensstifter machen aus jedem Kampf einen Konflikt, über den man reden kann. Ruhe bewahren, die Fähigkeit zum Gespräch bewahren. Den Mut haben, sich mit Menschen zusammenzusetzen, mit denen es sonst keiner mehr tut. Das stünde Christinnen und Christen gut an. Friedensstifter machen aus Kämpfen Konflikte, über die man reden kann.

Jesus hat das vorgelebt. Hinter seinem hohen Anspruch an uns steht das Versprechen, dass wir ernsthaft genug Frieden im Herzen haben könnten, um sowas hinbekommen zu können! "Wenn ihr nur ein bisschen Gottvertrauen habt – so groß wie ein Senfkorn, dann könnt ihr Berge versetzen."

Also stecken wir nicht den Kopf in den Sand – denn Frieden ist möglich! Im Kleinen wie im Großen. Und eins ist sicher: Wege des Friedens werden immer auch Wege mit Gott an unserer Seite und Jesus in unserem Herzen sein!

Der Friede sei mit Ihnen!

Ihr Pfarrer Holger Wilhelm

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